6.11.26 – 30.5.27

DEEP FIELD

Die Vermessung des Unvorstellbaren

Woher kommen wir? Die Frage der menschlichen Verortung im Kosmos ist so alt wie die Menschheit selbst. Aus ihr rührt die Faszination für den Weltraum, dessen Erforschung in der Antike zur Entstehung der Astronomie als eine der wohl ältesten Wissenschaften der Menschheitsgeschichte geführt hat. Heute sind Astronomie und Astrophysik hochtechnologisierte Wissenschaftsfelder – doch ihre Forschungsfragen tragen im Kern immer noch denselben Antrieb in sich, der die Menschen seit Urzeiten beschäftigt – die Frage nach unserem Platz im Universum.

Die Ausstellung greift die Faszination für den Weltraum auf und verbindet aktuelle astronomische und astrophysikalische Forschung mit zeitgenössischer Kunst. Dabei bringt sie Prof. Dr. Camilla Juul Hansen und Prof. Dr. Hannah Elfner, Wissenschaftlerinnen der theoretischen und angewandten Physik an der Goethe-Universität, in Kontakt mit den Künstler:innen Katie Paterson und Armin Linke, sowie der Künstlerin und PhD Studentin Nina Caviezel und Prof. Dr. Estelle Blaschke, Professorin für Fotografische Medien an der Universität Basel. Die aus diesem Austausch neu entstandenen Werke setzen sich mit den Forschungsfragen und Arbeitsmethoden der Wissenschaftler:innen auseinander.

Katie Paterson beschäftigt sich mit kosmologischen Fragestellungen, welche die Verbindungen zwischen menschlicher Existenz und geologischen, planetaren und kosmischen Zusammenhängen thematisieren. Sie stellt Gedankenexperimente an, die in Kooperation mit Wissenschaftler:innen materiell realisiert werden.
Armin Linke interessiert sich für die der Astrophysik und Astronomie zugrunde liegenden Forschungsmethoden und deren Bedingungen. Seine Arbeit untersucht die Produktion, Archivierung sowie die Nutzung wissenschaftlichen Bildmaterials und entsteht immer in kollaborativen Prozessen.

In Kooperation mit dem Atelierfrankfurt entsendet das MGGU erstmals einen Satelliten in den Frankfurter Osthafen: Nina Caviezel bespielt dort einen Ausstellungsraum mit ihrer neuen Arbeit „From Dust to Data“ (Laufzeit: 30.10.2026 bis 11.02.2027). Die Installation untersucht die Rolle des Reinigens und des Reinraums in der zeitgenössischen Astronomie.

Ein zweiter Satellit führt ins All: Vom 4. November bis zum 9. Dezember 2026 zeigt die Studiengalerie 1.357 die Videoarbeit „Another dream under the Troposphere“ von Rashiyah Elanga. In dem 18-minütigen Werk reist die Astronautin Elie zum Jupitermond Europa, um die Möglichkeiten einer menschlichen Besiedlung zu erforschen. Von Afrofuturismus und DIY-Ästhetiken inspiriert verbindet Elanga die Geschichte einer zunehmend brüchigen Weltraumutopie mit Fragen nach Schwarzer Identität, Zugehörigkeit und kolonialen Kontinuitäten.

Ausstellungsrundgang

Einführung

Die Frage der menschlichen Verortung im Kosmos ist so alt wie die Menschheit selbst. Aus ihr erwächst die Faszination für den Weltraum, dessen Erforschung bereits in der Antike zur Entstehung der Astronomie, einer der ältesten Wissenschaften, führte. Heute sind Astronomie und Astrophysik hochtechnologisierte Wissensfelder. Doch im Kern tragen ihre Forschungsfragen immer noch denselben Antrieb in sich, der die Menschen seit Urzeiten beschäftigt: die Frage nach unserem Platz im Universum.

Die Ausstellung greift die Faszination für den Weltraum auf und verbindet aktuelle astronomische und astrophysikalische Forschung mit zeitgenössischer Kunst. Die Künstler:innen Katie Paterson und Armin Linke haben dafür mit Prof. Dr. Camilla Juul Hansen und Prof. Dr. Hannah Elfner, Wissenschaftlerinnen der Goethe-Universität, zusammengearbeitet. Sie haben neue künstlerische Arbeiten entwickelt, die Forschungsfragen und -methoden der Astrophysiker:innen verhandeln.

Katie Paterson bespielt das erste Obergeschoss mit drei Neuproduktionen sowie bereits bestehenden Arbeiten. Für ihre neuen Arbeiten „Visible Stars“ und „Icarus“ kooperierte sie eng mit Hansen und ihrem Team. „Night“ komprimiert das gesamte von der Erde aus mit bloßem Auge sichtbare Sternenlicht zu einer Lichtinstallation. „Icarus“ übersetzt das Licht des am weitesten von der Erde entfernten Sterns, der bis heute beobachtet werden konnte, in eine Wandfarbe. Die dritte Neuproduktion „Ideas“ ist inspiriert von Elfner und ihrer Arbeitsgruppe, die sich mit Quantenzuständen im frühen Universum beschäftigen. Die Installation projiziert an verschiedenen Stellen im Museum kurze Satzfragmente an die Wände. Diese lassen sich – ähnlich wie Quanten – nicht greifen, leuchten kurz auf und verschwinden wieder.

Im zweiten Obergeschoss zeigt Armin Linke seine raumübergreifende Installation „Lights, refracted“ bestehend aus Fotografien, Filmen und Texten. Ausgangspunkt der Recherchen Linkes ist die wissenschaftliche Arbeit von Camilla Juul Hansen, die sich mit Sternentstehung und -entwicklung beschäftigt. Grundlage dieser Forschungsarbeit sind Beobachtungsdaten von Teleskopen und Raumsonden, die das Licht weit entfernter Sterne sammeln. Gemeinsam mit der Baseler Medienhistorikerin Estelle Blaschke sowie der Künstlerin Nina Caviezel untersucht Linke, wie diese Beobachtungsdaten gewonnen, weiterverarbeitet und genutzt werden.

Vertiefende Einblicke in die Ausstellungsinhalte bietet der Podcast „Deep Field“: In sechs Folgen kommen beteiligte Künstler:innen, Wissenschaftler:innen und das Kurator:innenteam miteinander ins Gespräch. Als akustische „Begleitpublikation“ kann der Podcast direkt in der Ausstellung gehört werden, ist aber auch online über die Plattformen Spotify und Apple Podcast abrufbar.

Für alle, die nicht genug vom Weltall bekommen können, wird die Ausstellung im Atelierfrankfurt am Frankfurter Osthafen erweitert. Dorthin entsendet das MGGU erstmals einen „Satelliten“: Nina Caviezel bespielt vom 30.10.2026 bis zum 11.2.2027 einen Ausstellungsraum mit ihrer neuen Arbeit „From Dust to Data“. Die Installation untersucht die Rolle des Reinraums in der zeitgenössischen Astronomie.

Deep Field und Hexagon

Der Begriff „Deep Field“ stammt aus der Astronomie und bezeichnet extrem lang belichtete Aufnahmen besonders weit entfernter Objekte im Universum. Das erste Deep Field wurde 1995 vom Hubble-Weltraumteleskop aufgenommen. Hierfür wurde ein kleines Himmelsareal im Bereich des Sternbilds „Großer Bär“ ausgewählt, das relativ frei von nahen Sternen ist. Vom 18. bis 28. Dezember 1995 nahm Hubble 342 einzelne Belichtungen dieses Himmelsausschnitts vor, die übereinandergelegt wurden. Die lange, kombinierte Belichtungszeit ermöglicht einen „tiefen“ Blick ins Universum und macht Galaxien bis zu einer Entfernung von circa 12 Milliarden Lichtjahren sichtbar. Auch der Nachfolger von Hubble, das James-Webb-Weltraumteleskop, arbeitet mit Deep-Field-Aufnahmen.

Das Hauptspiegelsystem des James-Webb-Weltraumteleskops inspirierte die Gestaltung der Ausstellungstexte als Hexagons. Der Hauptspiegel setzt sich aus 18 solcher Sechsecke zusammen. Der Spiegel ist mit einem Durchmesser von 6,5 Metern deutlich größer als jener von Hubble (2,4 Meter) und daher in der Lage, wesentlich mehr Licht zu sammeln.

Teaching Wall

Tafeln und Whiteboards gehören zum Alltag der Astrophysik: Hier werden Gedanken festgehalten, Formeln entwickelt und gemeinsam Probleme gelöst.
Diese Teaching Wall funktioniert andersherum: Das Museum stellt keine Fragen – ihr stellt sie. Hinterlasst eure Fragen, Gedanken oder Ideen zur Astrophysik. Die an der Ausstellung beteiligten Professor:innen und Astrophysiker:innen der Goethe-Universität schauen regelmäßig vorbei und antworten darauf.
Was wolltet ihr schon immer über das Universum wissen?

Kommunikator:innen

Im MGGU könnt ihr mit unseren Kommunikator:innen ins Gespräch kommen oder werdet von ihnen angesprochen. Die Kommunikator:innen sind Studierende unterschiedlicher Fächer, die sich über die gesamte Laufzeit mit den ausgestellten Kunstwerken und Themen der Ausstellung auseinandersetzen. Sie vermitteln aber nicht nur Fachwissen oder erklären die ausgestellten Werke, sondern stehen für eure individuellen Gesprächsthemen und Anliegen zur Verfügung. Wir freuen uns darauf, die Themen der Ausstellung gemeinsam mit euch zu diskutieren, Zugänge zu schaffen und euer Feedback aufzunehmen.

Bibliothek

Die Bibliothek wandelt sich mit den wechselnden Ausstellungen und entwickelt sich daher immer weiter. Wir verstehen sie als Bindeglied zum Universitätscampus, denn viele der Bücher stammen aus der Bibliothek der Goethe-Universität. Die aktuelle Auswahl wurde gemeinsam mit den an der Ausstellung beteiligten Künstler:innen und Wissenschaftler:innen getroffen. Stöbert gerne im Regal, nehmt Platz oder macht einfach eine kurze Pause – Snacks und Getränke findet ihr in der Küche.

Die Bibliothek verändert sich mit den Ausstellungen.

Küche

Im Rahmen der Neupositionierung des MGGU wird die Küche für die Museumsbesucher:innen zu einem Museumscafé 2.0: Setzt euch, bereitet euch gerne einen Kaffee oder Tee zu. Milch und weitere Getränke sind im Kühlschrank. Auch Snacks gibt es hier.

Bitte bezahlt an der Museumskasse.

Kaffeezubereitung:

1. Schritt: Kaffee-Kugel in die obere Öffnung einwerfen
2. Schritt: Tasse unterstellen und rechten Hebel ganz nach unten drücken
3. Schritt: Tassenportionierung wählen (Lungo 100ml/Espresso 40ml)
4. Schritt: Kaffee genießen

MGGU_lab

Das MGGU_lab ist ein Ort für viele verschiedene Nutzungen: Hier finden Workshops für Kinder, Jugendliche und Erwachsene statt – das Workshop-Angebot findet sich auf unserer Homepage. Der Raum wird aber auch für Treffen und Veranstaltungen genutzt. Ihr könnt hier gerne eine Pause machen, die Ausstellung reflektieren oder kreativ werden.

Katie Paterson

Katie Paterson setzt sich mit Fragen auseinander, welche die Verbindungen zwischen unserer menschlichen Existenz sowie planetaren und kosmischen Zusammenhängen thematisieren. Sie entwirft Gedankenexperimente, die sie gemeinsam mit Wissenschaftler:innen in künstlerische Arbeiten überführt. Ihre Werke bewegen sich dadurch zwischen philosophischer Spekulation und der Nüchternheit naturwissenschaftlicher Methoden der Berechnung, Beobachtung und Vermessung.

Auf dieser Etage zeigt die Künstlerin drei neue Arbeiten, die in enger Abstimmung mit Astrophysiker:innen der Goethe-Universität entstanden sind: „Icarus“, „Ideas“ und „Night“. Darüber hinaus sind weitere Arbeiten zu sehen, die sich mit Aspekten von Raum, Zeit und Licht auseinandersetzen.

Katie Paterson: Icarus, 2026

Kaum wahrnehmbar ist der Flur in kühlblaues Weiß getaucht. Der Farbton bezieht sich auf den am weitesten entfernten einzelnen Stern, der bislang beobachtet werden konnte. Er ist neun Milliarden Lichtjahre entfernt. Das Lichtsignal, das wir von ihm sehen können, stammt aus der Frühzeit des Universums. Entdeckt wurde der Stern 2016 auf einer Aufnahme des Hubble-Weltraumteleskops. Das Forschungsteam, das ihn fand, gab ihm den Spitznamen „Icarus“, nach der mythischen Figur, die zu nah an die Sonne heranflog und abstürzte. Ähnlich flüchtig ist auch die Erscheinung des Sterns, der aufgrund seiner Entfernung nur für einen kurzen Moment für uns sichtbar war. Ermöglicht wurde dies durch den Gravitationslinseneffekt: Hierbei wird das Licht weit entfernter Objekte durch massereiche Objekte wie z. B. eine Galaxie, die sich von uns aus gesehen „vor“ der Lichtquelle befindet, kurzzeitig gebeugt und so wie durch ein Vergrößerungsglas verstärkt. „Icarus“ wurde auf diese Weise für einen Moment vergrößert, seine Helligkeit stieg dabei um das 2000-fache seiner tatsächlichen Helligkeit an. Für die Ausstellung hat Paterson auf Basis der Beobachtungsdaten eine Wandfarbe herstellen lassen. Sie bildet das Lichtsignal von „Icarus“ als schwach bläulichen Farbton ab.

Katie Paterson: Ideas, 2026

Diese neue Arbeit bringt Patersons langjährige Serie „Ideas“ in den Dialog mit der Forschung im Bereich der theoretischen Kernphysik an der Goethe-Universität. Für die neue Version ließ sich die Künstlerin von Prof. Dr. Hannah Elfner und ihrer Forschungsgruppe inspirieren, die sich mit den kleinsten heute bekannten Bausteinen des Universums beschäftigen: den Quanten. „Ideas“ ist eine fortlaufende Serie textbasierter Werke, die dazu bestimmt sind, in der Vorstellungskraft zu existieren. Die als kurze poetische Sätze verfassten „Ideas“ beschäftigen sich mit Landschaft, dem Kosmos und geologischer Zeit. Sie bewegen sich zwischen Kunstwerk, Gedanke und Spekulation. Für die Ausstellung verwandelt Paterson die „Ideas“ in Licht. In wechselnden Sequenzen auf die Wände mehrerer Räume projiziert, erscheint jede „Idea“ kurz, verweilt und verblasst dann wieder. Die „Ideas“ sind keine Objekte, sondern Ereignisse: Jeder Satz wird nur für einen Moment wahrgenommen. So verhalten sich die Ideen ebenso wenig greifbar wie die Elementarteilchen des Standardmodells der Teilchenphysik, die in provisorischen Zuständen existieren und oft nur durch Spuren oder kurze Wechselwirkungen nachgewiesen werden können. Ihre Erscheinung und Bedeutung flackert, bricht zusammen und formt sich an anderer Stelle neu, sodass jede Betrachtung zu einer anderen Konstellation wird.

Katie Paterson: 100 Billion Suns, 2011

In „100 Billion Suns“ übersetzt Paterson das Phänomen der Gammablitze, die bis zu 100 Milliarden-mal heller aufstrahlen als unsere Sonne, in Papierkonfetti. Sie entstehen, wenn besonders masse- und energiereiche Objekte im Weltraum Energie ausstoßen, beispielsweise, wenn ein Stern explodiert oder Schwarze Löcher kollidieren. Die Bezeichnung „Gammablitz“ ist dabei aufgrund der erstmaligen Messung mit einem Detektor, der radioaktive Gammastrahlung misst, entstanden, obwohl die Strahlung dieser „Blitze“ wesentlich diverser ist. Die Performance des Abfeuerns von 3.216 Papierschnipseln wird wöchentlich im Rahmen der Ausstellung durchgeführt. Zurück bleibt so viel Konfetti, wie insgesamt Gammablitze seit ihrer Entdeckung 1967 bis einschließlich 2011 gemessen werden konnten, und bilden so eine stetig anwachsende Installation. Das Konfetti ist abgestimmt auf die Lichtfarbe des jeweiligen Ereignisses und soll so ein wahrnehmbares Gefühl für die Anzahl dieser sonst mit bloßem Auge nicht wahrnehmbaren Ereignisse vermitteln.

Katie Paterson: As the world turns, 2010

Diese Schallplatte dreht sich synchron zur Eigenbewegung der Erde und benötigt damit auch 24 Stunden für eine Umdrehung. Dadurch werden Antonio Vivaldis hier abgespielte „Vier Jahreszeiten“ zu einem kaum wahrnehmbaren Summen. Die Schallplatte dreht sich so langsam, dass ihre Bewegung für das Auge nicht mehr wahrnehmbar ist. Würde man Vivaldis vier Violinkonzerte von Anfang bis Ende in dieser Geschwindigkeit abspielen, würde dies vier Jahre statt 40 Minuten dauern. Die Eigenrotation der Erde können wir mit unseren Sinnen nicht wahrnehmen, wohl aber die sich daraus ergebenden Konsequenzen – den sich stetig wiederholenden Ablauf von Tag und Nacht, von Sonnenauf- und untergängen sowie den Wechsel der Jahreszeiten.

Katie Paterson: Ara (Constellation Lighting), 2016

An der Raumdecke erstrecken sich an über 34 Metern Kabel 101 Lichter. Sie sind in ihrer unterschiedlichen Leuchtkraft auf die jeweilige Lichtintensität der Sterne des Sternbildes Ara abgestimmt. Sie sollen so die Lichtverhältnisse des Sternbildes wiedergeben. Ara (lateinisch für „Altar”) ist ein Sternbild der Südhalbkugel: Es wurde bereits von Ptolemaios (um 100 n. Chr.) beschrieben und ist eines der 88 Sternbilder der modernen Astronomie. Die Lichterkette fokussiert die von der Erde aus wahrnehmbare unterschiedliche Helligkeit der einzelnen Sterne: Die tatsächlichen Abstände zwischen den Sternen sowie die Zeit, die das Licht benötigt, um zur Erde zu gelangen, werden nicht berücksichtigt, wie es auch bei Sternenkarten für gewöhnlich der Fall ist.

Katie Paterson: Light Bulb to Simulate Moonlight, 2008

In einem abgedunkelten Raum brennt eine Glühbirne. Direkt davor sind 289 Glühbirnen in einem Regal aufgereiht. Jede Glühbirne brennt etwa 2.000 Stunden und so decken sie zusammengerechnet 66 Jahre ab. So hoch war im Jahr 2008 die durchschnittliche Lebenserwartung weltweit. Die maßgefertigten Glühbirnen treffen mit ihrem Farbton die Lichtfarbe, die der Vollmond auf die Erde reflektiert. Die genaue Wellenlänge hat Katie Paterson mit Wissenschaftler:innen ermittelt und in der Gestaltung der Glühbirne umgesetzt. Die grauen Wände und der glänzende Boden unterstützen eine möglichst neutrale Wahrnehmung des Lichts, während das Kabinett die Menge der Birnen offenbart und das Logbuch Auskunft über den aktuellen Status der Installation gibt. Jede Glühbirne ist einzeln nummeriert und kann somit klar zugeordnet und notiert werden. Wenn eine Glühbirne ausfällt, wird sie durch die nächste ersetzt, sodass das Kunstwerk über die gesamte Lebensspanne eines Menschen hinweg kontinuierlich simuliertes Mondlicht ausstrahlt.

Katie Paterson: Timepieces (Solar System), 2014

„Timepieces“ besteht aus neun Uhren, von denen jede einen der acht Planeten sowie den Erdmond repräsentiert. Jede Uhr zeigt die Länge eines Tages auf dem jeweiligen Himmelskörper im Verhältnis zu einem Erdtag an. Wir erleben den Lauf der Zeit im Verhältnis zur Sonne: Der Rhythmus von Tag und Nacht entsteht durch ihr scheinbares Auf- und Untergehen. Auf anderen Himmelskörpern ist dieser Rhythmus anders, weil auch ihre Eigendrehung (Rotation) in anderer Geschwindigkeit abläuft. So rast auf dem Jupiter ein Tag mit knapp 10 Stunden dahin – auf der Venus dehnt er sich mit 2802 Stunden fast endlos aus. Das alles beobachten wir aus der Perspektive von Erdbewohner:innen, denen die 24 Stunden als Norm erscheinen.

Katie Paterson: —there lay the Days between—, 2022

Der Titel der Arbeit bezieht sich auf ein Gedicht von Emily Dickinson, in dem es um den langsamen, unaufhaltsamen Lauf der Zeit geht. Die Anzeigetafel stellt dar, wie oft die Sonne seit der Entstehung der Erde vor ca. 4,5 Milliarden Jahren aufgegangen ist. Der angezeigte Wert erhöht sich jeden Tag bei Sonnenaufgang um eins. Es ist genügend Platz vorhanden, um Sonnenaufgänge bis zum Ende der Erde, also in etwa sieben Milliarden Jahren, weiter anzuzeigen. Um den angezeigten Wert zu ermitteln, arbeitete die Künstlerin mit einem Team aus Astrophysiker:innen (University of Edinburgh, University College London, University of London, Greenwich Observatory, Kyoto University). Vor Milliarden von Jahren drehte sich die Erde schneller, und die Tage waren deutlich kürzer. Da sich der Mond nach und nach weiter entfernt hat, hat sich die Erdrotation verlangsamt. Das Werk fasst diese immense Zeitspanne der Planetengeschichte in einer einzigen, sich ständig verändernden Zahl zusammen.

Katie Paterson: There is another sky, 2025

„There is Another Sky“ besteht aus zwei Glasplatten, die jeweils einen bestimmten Moment auf der kosmischen Zeitachse darstellen. Die linke Platte zeigt den Himmel vor über 3,5 Milliarden Jahren, bevor die Erde existierte, während die rechte Platte den Blick aus der Perspektive der Erde in Milliarden von Jahren in der Zukunft darstellt, nachdem unser Planet längst nicht mehr existiert. Beide Perspektiven sind so ausgerichtet, als würden sie von der Erdoberfläche aus betrachtet, mit dem Blick in den sich verändernden Nachthimmel. Die Arbeit stützt sich auf Beobachtungsdaten sowie Modelle zur Galaxienentwicklung und entwickelt daraus spekulative Ansichten eines sich über Milliarden Jahre verändernden Nachthimmels. Links ist dieser geprägt von zahlreichen Sternentstehungen, sich entwickelnden Galaxien und jungen Sternhaufen. Rechts ist die zukünftige Kollision der Milchstraße mit der Andromeda-Galaxie dargestellt, bei der beide Galaxien miteinander verschmelzen werden.

Katie Paterson: Night, 2026

Gemeinsam mit Prof. Dr. Camilla Juul Hansen und ihrer Arbeitsgruppe, die sich mit Sternentstehung und -entwicklung beschäftigen, setzt Katie Paterson die Neuproduktion „Night“ um. Zu sehen ist eine Lichtskulptur, die das Farbspektrum von ca. 9.000 Sternen ausstrahlt, die mit bloßem Auge von beiden Hemisphären der Erde aus sichtbar sind.
Auf der Grundlage astronomischer Daten werden Farbe und Leuchtkraft dieser Sterne in ein zusammenhängendes Lichtspektrum übersetzt. Anstatt die Sterne einzeln darzustellen, werden ihre unterschiedlichen Farben – von den kühlsten roten Sternen bis zu den heißesten blau-weißen Sternen – in der Skulptur vereint und verdichten so das Licht des sichtbaren Nachthimmels zu einer leuchtenden Form.
Die dem Werk zugrunde liegenden astronomischen Daten stammen aus Beobachtungen der Gaia-Mission der Europäischen Weltraumorganisation, die die Positionen und Eigenschaften von Milliarden von Sternen in der Milchstraße kartiert hat. Anhand dieser Daten verwandelt „Night“ die immense Vielfalt des von der Erde aus sichtbaren Sternenlichts in eine einzige physische Präsenz.

Armin Linke: Light, refracted

„Light, refracted“ untersucht, wie Astronom:innen Licht lesen und daraus Erkenntnisse gewinnen. Licht ist in der Astronomie ein wesentlicher Informationsträger: Das Licht von Himmelskörpern, die wir aufgrund ihrer Entfernung nicht vor Ort untersuchen können, transportiert Informationen.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Medialität des Lichts: Wie wird es übermittelt, gespeichert und gelesen? Zudem untersucht sie die Materialität und die Prozesse, die notwendig sind, um Licht in Information zu transformieren. Diese wiederum ist Basis für Grundlagenforschung und für das Aufspüren von Ressourcen im All. Welche Ressourcen müssen dafür auf der Erde mobilisiert werden? Dazu gehören Spiegel, Kupferkabel und Computerspeicher ebenso wie Softwaredesign, wissenschaftliche Methoden und kulturelle Praktiken.
Wie wird diese materielle und digitale Infrastruktur geplant, gestaltet und verhandelt? Wie verbindet sie unterschiedliche Orte auf der Welt? Diesen Fragen geht die Installation nach.
Gemeinsam mit Prof. Dr. Camilla Juul Hansen, der Künstlerin Nina Caviezel und der Medienwissenschaftlerin Prof. Dr. Estelle Blaschke hat Armin Linke die Installation entwickelt. Sie erstreckt sich über die gesamte Etage und verknüpft Video, Fotografie, Texte und Objekte miteinander.

Wie lesen wir Licht?

Wie wird Licht aufgezeichnet? In den Anfängen der astronomischen Fotografie wurden Glasplatten verwendet. Ende des 19. Jahrhunderts werteten die „Harvard Computers“ – eine Gruppe von Frauen am Harvard College Observatory – diese Aufnahmen mit bloßem Auge aus. Heute übernehmen moderne Computer diese Aufgabe. Hier kommt die Methode der Spektralanalyse zum Tragen: Licht wird durch Brechung in einzelne Farben (Wellenlängen) zerlegt, um die chemische Zusammensetzung der Lichtquelle zu bestimmen. Jedes Element erzeugt charakteristische Spektrallinien. Die Spektralanalyse ist eine wesentliche Analysemöglichkeit für Astronom:innen. In der Ausstellung findet sie sich an mehreren Stellen wieder: zum Beispiel in Prismen der physikalischen Sammlung der Goethe-Universität, die das Prinzip der Brechung von Licht zeigen. Auch Camilla Juul Hansen arbeitet mit dieser Methode. Die technischen Bedingungen haben sich jedoch geändert: Aus den Glasplatten sind digitale Screens geworden. Die Glasplatten wiederum, die von den „Harvard Computers“ ausgewertet wurden, finden sich als Reproduktionen im „Logbook“ wieder, eine Sammlung von Bild- und Textmaterialien, die von Linke und Caviezel zusammengestellt wurde.

Landschaften

In spektakuläre Landschaften sind Teleskope wie jenes auf La Palma oder das VLT („Very Large Telescope“) in Chile eingebettet. Das VLT befindet sich auf dem Gipfel des Cerro Paranal in der chilenischen Atacama-Wüste – einem der abgelegensten Orte der Welt, der ideale Bedingungen zur Observation des Himmels bietet. Für Menschen ist die auf 2635 Metern Höhe befindlich Anlage nur mühsam zu erreichen. Wir begegnen diesen Landschaften in den Fotografien Caviezels auf La Palma und in den Aufnahmen, die Linke 1999 in Chile gemacht hat, als das VLT in Betrieb genommen wurde.

Die Atacama-Wüste beherbergt einige der weltweit größten Kupferbergwerke. Kupfer ist eine der zentralen Ressourcen für die digitale Infrastruktur und die Entwicklung künstlicher Intelligenz. Das Material wird unter anderem für Stromleitungen benötigt. Zugleich ist die Geschichte des Kupferabbaus in Chile eng mit den politischen Umbrüchen der 1970er-Jahre verbunden. Um die riesigen Kupfervorkommen des Landes entsponnen sich Verteilungskämpfe, die in einem politischen Systemwechsel resultierten. Die Wüste ist daher keineswegs ein leerer oder unberührter Raum, sondern ein Ort, an dem sich unterschiedliche Geschichten von Ressourcenausbeutung, politischen Konflikten und kolonialen Kontinuitäten überlagern.

Logbook

„Logbook“ ist eine Sammlung von Text- und Bildmaterial, die die Themen von „Light, refracted“ in komprimierter Weise vereint und wie ein Archiv funktioniert. Fotografien, die Linke in den späten 1990-Jahren in Chile gemacht hat, wechseln sich ab mit den Aufnahmen Caviezels auf der Kanareninsel La Palma. Dorthin hat die Künstlerin die Arbeitsgruppe von Camilla Juul Hansen 2025 begleitet. Am Nordic Optical Telescope, das zu einer Gruppe von Teleskopen auf dem Roque de los Muchachos gehört, erlernte die Gruppe von Hansen den Umgang mit dem Teleskop und dessen Software – während der Nacht und trotz zunehmender Müdigkeit. Zu den künstlerischen Fotografien und den Screenshots von Camilla Juul Hansens Computerbildschirm kommen Reproduktionen der Glasplatten, die vor über 100 Jahren von den „Harvard Computers“ gesichtet worden waren.

Camilla Juul Hansen, Martino Romaniello, Paolo Padovani

Die Recherchen für „Light, refracted“ führten Armin Linke und Estelle Blaschke zum Riedberg-Campus der Goethe-Universität, wo sie mit Camilla Juul Hansen über ihre Arbeitsmethoden sprechen. Von dort reisen Linke und Blaschke zum Hauptsitz der ESO (Europäische Südsternwarte) nach Garching. Dort befinden sich die wichtigsten wissenschaftlichen und technischen Abteilungen der Organisation, während die von der ESO betriebenen Teleskope, darunter das VLT, sich in Chile befinden. Interviewt werden Personen, die zu astronomischen Beobachtungsdaten unterschiedliche Zugänge haben. Während Martino Romaniello als Archivar des riesigen Bildarchivs der ESO tätig ist, arbeitet der Astronom Paolo Padovani mit den Daten, um seine Forschungsfragen zu aktiven Galaxienkernen zu verfolgen. Padovanis Forschung umfasst auch die Astrophysik und insbesondere die Erforschung von Neutrinos (elektrisch neutrale Elementarteilchen). Er ist derzeit im Sonderforschungsbereich SFB 1258 „Neutrinos and Dark Matter in Astro- and Particle Physics“ an der Technischen Universität München tätig, in dessen Zusammenhang er mit Armin Linke in denselben Forschungsgruppen zusammenarbeitet.

Luis Calçada

Am Hauptsitz der ESO in Garching trafen Armin Linke und Estelle Blaschke auch auf Luis Calçada. Er ist Künstler für Daten- und Wissenschaftsvisualisierung: Für ihn sind die Rohdaten der Teleskope Ausgangspunkt für eine visuelle Weiterverarbeitung und Übersetzung in Bildmaterial, das die wissenschaftlichen Erkenntnisse für ein breites Publikum sicht- und greifbar machen soll. Calçada setzt sich dabei nicht auf eine künstlerisch-freie Art und Weise mit den Beobachtungsdaten auseinander. Seine Aufgabe ist es vielmehr, die komplexen wissenschaftliche Daten und Forschungsergebnisse grafisch und visuell so aufzubereiten, dass sie für verschiedene Zielgruppen verständlich werden. Solche Visualisierungen sind Bestandteil von Wissenschaftskommunikation.

3.Obergeschoss: Astro-Lounge

Willkommen in der Astro-Lounge! Hier könnt ihr es euch gemütlich machen und dabei den Ausblick ins Deep Field genießen. Wenn ihr Lust habt, hört in den ausstellungsbegleitenden Podcast rein. An insgesamt 4 Stationen ist je eine Folge abrufbar. Zwei weitere Folgen könnt ihr euch an den Audiostationen im Erdgeschoss anhören.

Satellit Rampe, Nina Caviezel: From Dust to Data, 2026

Single-Channel-Video (22 min), Sound, Fotografie, Archivmaterial (Reproduktionen)

Nina Caviezel untersucht in ihrer künstlerischen Praxis, wie wissenschaftliche Bilder aus der (astro-)physikalischen Forschung medial übersetzt werden. So erforscht sie in der Neuproduktion „From Dust to Data” die Rolle des Reinraums und des Reinigens in der Astronomie. Am Beispiel des Hubble- und des James-Webb-Weltraumteleskops untersuchen die ausgestellten Fotografien, Zeichnungen und die Videoarbeit die materielle und körperliche Dimension dieser Praktiken: Die Beobachtung des Weltalls wird ermöglicht durch die Arbeit auf der Erde und durch die Materialien, aus denen Teleskope und Raumsonden bestehen, die von Menschen in klinisch reinen Laboren zusammengebaut werden. All diese Einflüsse, Prozesse und persönlichen Zugänge, die für gewöhnlich unsichtbar bleiben, interessieren Caviezel in ihrer Forschung.
In der astrophysikalischen Forschung sind Reinräume Orte, an denen entweder hochsensible Experimente durchgeführt oder Spiegel und Messtechnik für Weltraumteleskope produziert und zusammengesetzt werden. In der anschließenden Datenbereinigung werden die rohen Daten durch vorgegebene Algorithmen kalibriert, störende Frequenzen, das sogenannte Rauschen, entfernt und in astronomische Bilder übersetzt. In ihrer Videoarbeit verknüpft Nina Caviezel auf assoziative Weise eigene Aufnahmen aus Laboren der NASA, des CERN und des unterirdischen Labors zur Erforschung von Elementarteilchen in Gran Sasso (LNGS) mit Found-Footage-Material und historischen Archivmaterialien. Der eingesprochene Text erzählt aus der Perspektive eines fiktiven „Du”, das für die von Caviezel interviewten Astrophysiker:innen steht, sowie aus der Perspektive eines „Ich”, das Caviezels Position als Außenstehende in diesen Räumen der Wissenschaftsproduktion verdeutlicht.

Die Beschäftigung mit Reinräumen bildet dabei eine räumliche und inhaltliche Erweiterung der Ausstellung „DEEP FIELD. Die Vermessung des Unvorstellbaren“ im MGGU – Museum Giersch der Goethe-Universität (6.11.2026 – 30.5.2027). Die dort ausgestellten Arbeiten von Katie Paterson und Armin Linke wurden im Austausch mit Wissenschaftler:innen, u. a. der Goethe-Universität, und mit der künstlerischen Mitarbeit von Nina Caviezel erarbeitet. Reinräume ermöglichen zumeist erst die Beschäftigung mit den zahlreichen Phänomenen des Weltalls, die die künstlerischen Arbeiten in der Ausstellung maßgeblich geprägt haben.

Zur Person

Nina Caviezels Arbeiten wurden in Museen, Galerien und Offspaces in der Schweiz, Deutschland und Dänemark ausgestellt. Sie hat ihren Abschluss an der Universität Bern gemacht und wurde mit verschiedenen Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Letztere ermöglichten einen Forschungsaufenthalt am Space Telescope Science Institute der NASA sowie einen Archivbesuch an der Harvard University im Sommer 2025.

Podcast

Teaser

Auf ins Deep Field! Der aus der Astronomie stammende Begriff bezeichnet eine Beobachtungsmethode, die mittels langer Belichtungszeiten besonders tief ins Weltall schaut. Der Podcast „DEEP FIELD“ begleitet die gleichnamige Ausstellung im Museum Giersch der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Zu sehen ist dort vom 6.November 2026 bis zum 30. Mai 2027, wie Künstler:innen in Kollaboration mit Astrophysiker:innen auf astronomische Phänomene und Forschungsmethoden blicken – und daraus Kunst entsteht.

1. Kunst, Kosmos, Kuratieren

Was fließt ein in eine Ausstellung, die Kunst und Astrophysik miteinander verbindet? Wie weit hat sich das kuratorische Team in das Deep Field der Astrophysik hineingewagt, ohne in verborgene Wurmlöcher zu fallen? Und – Stichwort Wurmloch – wie genau nehmen es Kunsthistoriker:innen mit physikalischen „hard facts“? In dieser Folge nehmen wir euch mit in die Entstehung und die zentralen Frage- und Problemstellungen der Ausstellung „DEEP FIELD. Die Vermessung des Unvorstellbaren“ im Museum Giersch der Goethe-Universität in Frankfurt am Main.

Gäste: Katrin Kolk, Tim Pickartz und Max Zimmermann vom Museum Giersch der Goethe-Universität

2. Sterne im Museum? Über die Entstehung von Katie Patersons Arbeit „Night“

Wieviele Sterne können wir mit bloßen Augen am Himmel sehen? Die Künstlerin Katie Paterson hat kurz mal nachgeschaut: Es sind circa 9000. Unterschiedlich hell, alt, heiß, und unterschiedlich weit entfernt. Mit den Eigenschaften von Sternen beschäftigt sich auch Camilla Juul Hansen, Astrophysikerin an der Goethe-Universität. Sie forscht zu Sternentstehung und -entwicklung und analysiert dafür das Licht der Sterne. Zusammen haben die beiden Katie Patersons neue Arbeit für „DEEP FIELD“ umgesetzt: „Night“ ist eine Lichtinstallation, die auf Grundlage astronomischer Daten alles sichtbare Sternenlicht zu einem einzigen Farbton verdichtet. Wie das funktioniert, erfahrt ihr in dieser Folge.

Gäste: Katie Paterson und Prof. Dr. Camilla Juul Hansen, Goethe-Universität
Diese Folge ist englischsprachig.

3. Die Vermessung des Unvorstellbaren. Über astronomische Bilder und Daten

Astronom:innen sitzen auf einsamen Bergen in ihren Observatorien und gucken in den Sternenhimmel. Oder? Naja, fast. Die zeitgenössische Astrophysik findet vor allem vor Computerbildschirmen statt. Dort werden Daten und Bildmaterialien gesichtet, interpretiert und in Erkenntnisse überführt. In dem Netzwerk aus Daten, Bildern, Observatorien, Universitäten und Wissenschaftler:innen, das sich über den Globus spannt, bewegt sich der Künstler Armin Linke, der seinerseits selbst (künstlerische) Forschung betreibt: Er beobachtet und recherchiert zu der Frage, wie Wissenschaftler:innen Bilder als Instrumente erzeugen, die der Wissensgewinnung dienen. Anders gesagt: Woher kommen die astronomischen Bilder eigentlich, wer stellt sie her und was sagt das über sie aus? Diese Fragen sind Thema seiner Neuproduktion für „DEEP FIELD“, und darüber sprechen wir mit ihm in der heutigen Folge. Mit von der Partie ist die Baseler Medienwissenschaftlerin Estelle Blaschke, mit der der Künstler schon bei mehreren Projekten zusammengearbeitet hat.

Gäste: Armin Linke und Prof. Dr. Estelle Blaschke, Universität Basel

4. Telescope studies

Teleskope sind Lichtsammler. Doch wie benutzt man sie eigentlich? Damit hat sich die Frankfurter Doktorandin Annika Schichtel im Frühjahr 2025 auf La Palma beschäftigt. Dort, auf dem Roque de los Muchachos, steht auf 2400m Höhe das Nordic Optical Telescope. Das Besondere: Hier kann man als Forscher:in die Messungen selbst durchführen – also die Geräte steuern, Koordinaten einstellen und so das Teleskop ausrichten auf das, was man beobachten will. Mit dabei auf in der kanarischen Felsenlandschaft war im Frühjahr 2025 auch die Künstlerin und Wissenschaftlerin Nina Caviezel, die die Expedition der Frankfurter Gruppe um Annika fotografisch begleitet hat. Für Nina ist der Besuch des Observatoriums interessant, denn sie setzt sich in ihrer eigenen Forschungsarbeit im Bereich der „Science and Technology Studies“ mit teleskopischen Praktiken auseinander – zum Beispiel mit dem James-Webb-Weltraumteleskop, das seit 2022 direkt im Weltraum zur Observation genutzt wird.

Gäste: Nina Caviezel und Annika Schichtel, Goethe-Universität

5. Das Universum podcastet!

„Sternengeschichten“, „AstroGeo“, „Welt der Physik“, „Das Universum“, „Raumzeit“ – wem fällt noch ein Podcast ein, der sich mit Astronomie und Astrophysik beschäftigt? Natürlich darf „DEEP FIELD“ in dieser Reihe nicht fehlen..! Wir sind heute mal auf dem Metalevel unterwegs und beschäftigen uns mit dem Medium, das wir gerade nutzen – dem Podcast. Das Format ist im Zuge der ersten iPods in den frühen 2000ern aufgekommen, erfreut sich vor allem in den letzten Jahren immer größerer Beliebtheit. Wir wollen heute wissen: Wie funktioniert das Format im Kontext von Wissenschaftskommunikation und was macht einen guten Astro-Podcast aus? Dafür haben wir Florian Freistetter und Ruth Grützbauch eingeladen. Die beiden hosten seit 2020 den gemeinsamen Astronomie-Podcast „Das Universum“ und sind quasi „alte Hasen“ in der Podcast-Szene.

Gäste: Florian Freistetter & Ruth Grützbauch

6. Die Philosophie des Quark-Gluonen-Plasmas

Von Teilchenbeschleunigern hat jede:r schonmal gehört. Aber was bedeutet es eigentlich, ein Teilchen zu beschleunigen, und was haben wir davon? In den Beschleunigeranlagen des GSI Helmholtzzentrums in Darmstadt prallen Teilchen knapp unter der Lichtgeschwindigkeit aufeinander. Was dann passiert, interessiert Forscher:innen wie Hannah Elfner, die am GSI und an der Goethe-Universität zum Quark-Gluon-Plasma forscht – dem Zustand der Materie kurz nach dem Urknall. Damit kommen wir der Frage, wie alles begann und woher wir kommen, ganz nah. Und damit wird es philosophisch! Deswegen gesellt sich in der heutigen Folge neben Hannah Elfner auch noch Sybille Anderl hinzu. Sie ist Astrophysikerin und Wissenschaftsjournalistin und beschäftigt sich auch aus philosophischer Sicht mit dem Universum und seiner Erforschung: Wie erforschen wir eigentlich Phänomene, die Tausende, Millionen Lichtjahre von uns entfernt und somit eigentlich unerreichbar sind? Und warum kann man das Universum als großes, kosmisches Labor betrachten?

Gäste: Dr. Sybille Anderl und Prof. Dr. Hannah Elfner, Goethe-Universität

 

 

 

 

 

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